🐟 Mikroplastik – warum der Fisch oft zu Unrecht im Fokus steht
- Julia Wogart
- 10. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Nov. 2025

Eine Frage der Perspektive?
Manchmal ist es wie mit einem Spiegel, der nur einen kleinen Ausschnitt zeigt: Das Bild wirkt klar, aber es bleibt unvollständig. Und das liegt häufig an der Komplexität der Themen, um die es geht. Sind sie zu komplex, fokussieren wir uns auf das, was wir schnell und einfach verstehen – oder auf das, was uns schnell und einfach mit einem Hauch vermeintlicher Logik erklärt wird.
Wenn es um Mikroplastik in Lebensmitteln geht, ist genau das passiert. Über Jahre hinweg stand vor allem Fisch im Mittelpunkt der Diskussion – als Sinnbild für die Vermüllung der Meere und als vermeintlich größtes Risiko auf dem Teller.
Doch neue wissenschaftliche Erkenntnisse rücken das Bild gerade: Fisch ist nicht das Problem. Er war nur früher im Labor.
Warum der Fisch in die Schlagzeilen geriet
Mehr als 70 Prozent der wissenschaftlichen und medialen Berichterstattung über Mikroplastik beschäftigen sich mit Seafood. Der Grund ist simpel: Fisch und Muscheln waren die ersten Lebensmittel, die überhaupt auf Mikroplastik getestet wurden. Zum einen, weil sie aus dem Meer stammen, zum anderen, weil sie sich technisch leichter untersuchen lassen. Muscheln laufen eben nicht weg.
Das Ergebnis: Die Öffentlichkeit nahm an, wer Fisch esse, nehme besonders viel Mikroplastik auf. Doch eine neue Untersuchung der Heriot-Watt University (Schottland) zeigt: Diese Annahme hält nicht stand – wie kürzlich im Fischmagazin zu lesen war.
Fakten, die überraschen
Laut der Studie liegt die tägliche Mikroplastikaufnahme durch Fisch und Meeresfrüchte bei 1 bis 10 Partikeln – etwa so viel wie bei Salz, Honig oder Geflügel. Zum Vergleich:
Eine einzige Flasche Wasser enthält 10 bis 100 Partikel.
Über die Innenraumluft atmen wir täglich 100 bis 1.000 Partikel ein.
Mit anderen Worten: Nicht das Abendessen aus dem Meer ist die Hauptquelle für Mikroplastik, sondern das, was wir jeden Tag trinken und atmen.
Warum Differenzierung wichtig ist
Klar, dass Mikroplastik in Lebensmitteln im Grunde eine Katastrophe ist, wissen wir auch. Aber das darf eben nicht auf ein Lebensmittel fokussieren. Der Toxikologe Prof. Dr. Theodore Henry bringt es nochmal auf den Punkt:
„Es ist wichtig, Seafood im Kontext zu betrachten – nicht nur, weil die Belastungswerte denen anderer Lebensmittel ähneln, sondern weil Meeresfrüchte erhebliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen.“
Wer also aus Sorge auf Fisch verzichtet, verzichtet auch auf wichtige Omega-3-Fettsäuren, Proteine und Spurenelemente – und damit auf Nährstoffe, die kaum ein anderes Lebensmittel in dieser Kombination liefert.
Unser Standpunkt bei KANZOW
Bei KANZOW glauben wir daran, dass Aufklärung der beste Schutz vor Fehlwahrnehmung ist – nicht nur, wenn es um Fisch geht. Aber wir stehen seit über 130 Jahren für verantwortungsvollen Umgang mit Seafood – und wir wissen: Qualität entsteht dort, wo Transparenz und Vertrauen zusammenkommen. Deshalb setzen wir auf kontrollierte Herkunft, zertifizierte Lieferketten und ehrliche Kommunikation. Denn am Ende soll Fisch das sein, was er immer war: Ein Stück Natur, das man mit gutem Gefühl genießen kann. Nicht mehr – aber auch auf keinen Fall weniger.
Quellen: FischMagazin Ausgabe 10/2025 | Studie: Examining Misconceptions about Plastic‑Particle Exposure from Ingestion of Seafood and Risk to Human Health — veröffentlicht in Environmental Science & Technology Letters (2025) Heriot-Watt University




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